Methodendossier – KI-Bildarbeiten

Ich beginne mit einem Impuls.
Er kann aus der Realität kommen – als Irritation, als Erinnerung.
Oder aus meiner Fantasie – als Bild, als Gefühl, als schemenhafte Vorstellung.

Dieser Impuls wird zur Referenz.

Ich verdichte ihn zu einer knappen Beschreibung und füge minimale formale Parameter hinzu – etwa einen Stil oder eine Perspektive. Mehr Setzung erfolgt nicht.

Dann ziehe ich mich zurück.

Die Umsetzung geschieht mittels KI.
Die Maschine nimmt die Beschreibung ernst.
So wie wir Menschen uns ernst nehmen.

Sie arbeitet mit dem, was in ihr gespeichert ist: einer Verdichtung kultureller Sehgewohnheiten, Bildmuster, Raumordnungen, Gesten, Ikonografien. Diese kollektive Bildlogik speist sich aus unzähligen bereits existierenden Bildern.

Meine eigene Wahrnehmung ist ebenso kulturell geprägt und zugleich individuell. Sie bewegt sich innerhalb dieser Bildlogik und verschiebt sie durch Auswahl, Reduktion und Kombination.

Die Arbeit entsteht im Spannungsfeld zwischen individueller Wahrnehmung und kollektiver Bildlogik.

Autorschaft liegt für mich in der Regelsetzung: in der Wahl der Referenz, in der Begrenzung der Parameter, in der Entscheidung, welches Ergebnis sichtbar und dann ausgewählt wird.

Was entsteht, ist die Manifestation einer Möglichkeit.

Jede Referenz trägt eine implizite Ordnung in sich. Wenn sie ernst genommen und formal umgesetzt wird, stabilisiert sie sich – oder dehnt sich. Manchmal verdichtet sich ein Bild. Manchmal entsteht ein Riss.

Diese Risse interessieren mich.

Fantasie wirkt hier als Verschiebung innerhalb der Realität. Sie verlagert Perspektiven, Maßstäbe, Relationen. Bilder werden so zu Versuchsanordnungen: Verdichtungen eines Experiments, das prüft, wie belastbar unsere Vorstellungen von Normalität sind.

Ich gebe einen Impuls ab.
Ich ziehe mich zurück.
Die Maschine nimmt ihn ernst.

Im Ernstfall zeigt sich, was trägt.

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