Leserhythmus, Weißraum

Beim Überarbeiten des Geschichtenbands ist mir etwas aufgefallen, das ich vorher so nicht gesehen habe. Die Texte für sich funktionieren, auch ihre Abfolge ist bewusst gewählt. Und doch habe ich beim Lesen gemerkt, dass sich über Strecke eine Überforderung einstellt – nicht inhaltlich, sondern im Rhythmus.

Ich habe gespürt, dass mir als Leser stellenweise kein Raum bleibt, um innezuhalten. Nicht, weil ich es nicht wollte, sondern weil der Textfluss es nicht erlaubt hat. Das war ein klares Signal dafür, dass das Buch in dieser Form noch nicht reif für eine Veröffentlichung ist.

Besonders aufmerksam geworden bin ich für Übergänge. Titel, erste Absätze, Weißraum – all das wirkt stärker, als ich es zuvor eingeschätzt habe. Nicht als Gestaltung, sondern als Zeitangebot.

Ich merke, dass es mir wichtig ist, dass ein Leser das Buch in einem Rutsch lesen kann, ohne es schließen zu müssen. Pausen sollen möglich sein, nicht erzwungen. Wenn das nicht gegeben ist, kippt für mich etwas im Leseerlebnis.

Diese Beobachtungen brauchen Zeit. Im Moment geht es weniger darum, etwas zu ändern, als darum, genau hinzusehen und zu verstehen, was das Buch verlangt, bevor es in die Welt darf.

Weiterführende Texte:

Schreiben als Wahrnehmung
Schreiben ist Nähe. Redigieren ist Distanz